Wo kommen die Ideen her? Teil II

Teil II: Die Walt-Disney-Technik und andere Ideenfänger

Kreativitätstechniken zur Entwicklung von unglaublichen Ideen

Im ersten Teil der Artikelserie »Wo kommen die Ideen her?« habe ich mich mit den Voraussetzungen für gute Ideen beschäftigt. Ihr könnt sie hier noch einmal nachlesen. Und wie kann es anders sein, werde ich euch heute einige Kreativitätstechniken vorstellen.
Obwohl Ideen ja scheu sind wie Schmetterlinge, haben sie eine große Sehnsucht: Sie wollen gefangen werden. Aber nicht mit schnöden Tricks. Etwas Mühe sollte man sich schon machen, sonst sind sie beleidigt und gehen nicht ins Netz. Dafür gibt es die Kreativitätstechniken. Sie machen also großen Sinn und sollten angewendet werden.
Bitte bei allen Techniken die Grundvoraussetzung beachten: Die Aufgabenstellung und die Zielgruppe müssen eindeutig sein.


Das Brainstorming

Das Brainstorming ist in Verruf gekommen, weil die Aufregung und der Spaß sich dabei in Grenzen halten. Das liegt aber an der falschen Anwendung. Wer Sahne über Nudeln gießt, hat auch keine Spaghetti Carbonara. Da muss man schon mehr Raffinesse zeigen. Ich nutze das Brainstorming eigentlich immer. Ihr wisst ja: Denkt groß und wild. Backt den größten Kuchen. Wir wollen keine laue Brise, sondern einen kräftigen Gedankensturm. Yeah!

Und hier meine Tipps zum Brainstorming:

•   Aufregend, wenn die Teilnehmer vorher nicht wissen, um was es geht.

•   Jeder Teilnehmer sollte pro Runde circa 20 Sekunden Zeit haben. Alle kommen zu Wort.

•   Es darf alles raus. Schräge Gedanken. Völlig gaga. No Limits!

•   Die Ideen werden aufgeschrieben – auf Tapete, an die Tafel oder auf Zettel und in die Mitte geworfen.

•   Wichtig: Kritik und Bewertung sind nicht erlaubt. Auch kein Lob. Niemals. Von niemandem. Auch nicht die Augen verdrehen oder so was.

•   Eine Sitzung dauert maximal 30 Minuten. Dann ist Schluss. Ende. Aus.

Das wären die wichtigsten Regeln zum Brainstorming. Das könnt ihr natürlich auch alleine machen. Allerdings geht das dann nicht mit reihum und so. Aber das wisst ihr ja selber. Scherz.
Mir hilft es immer, wenn ich mich nach dem Brainstorming erst einmal von den Ideen löse, sie einfach liegen lasse und später sortiere – zum Beispiel nach Qualität und Machbarkeit.


Die Upside-Down-Technik

Diese Technik habe ich in der einschlägigen Literatur gefunden und war erstaunt, dass ich sie bisher nicht kannte. Denn sie ist sehr lustig und das ist schon einmal eine gute Voraussetzung zum Finden von 1a-Ideen.
Diese Methode heißt auch Umkehrmethode, weil sie die Zielsetzung einfach auf den Kopf stellt. Beispiel: Entwickeln einer Kampagne, die Schüler wieder mit Begeisterung lernen lässt. Ihr denkt euch also aus, was genau das Gegenteil bewirkt. Schülern soll mal richtig klargemacht werden, dass Lernen so ziemlich das Uncoolste unter der Sonne ist. Schlimmer als ein TV-Abend mit dem Musikantenstadl oder eine Rosamunde-Pilcher-Verfilmung mit deutschen Schauspielern, die Engländer in Cornwall nachmachen. Ha. Da zündelt der Ideenteufel schon in meinem Kopf herum. Das macht Spaß. Ist die Ideenmaschine erst einmal in diese Richtung angelaufen, geht es auch schnell in die andere Richtung. Konstruktive Ideen werden sprudeln. Believe me.


Die Walt-Disney-Technik

Diese Technik lebt von drei Rollen: dem Träumer, dem Realisten und dem Kritiker.

Der Träumer arbeitet mit Bildern, starken Emotionen und Visionen. Er kennt außer der Zielsetzung und der Zielgruppe keine Begrenzungen und darf ganz groß denken.

Der Realist spielt die Ideen im Kopf durch und checkt sie auf Machbarkeit. Dabei orientiert er sich genau an den Rahmenbedingungen.

Der Kritiker wirft ein sehr, sehr kritisches Auge auf die Ideen und stellt alles infrage. Er ist aber keineswegs ein destruktiver Nörgler oder etwa ein Ideenvernichter.

Ich möchte den Ablauf anhand von drei Teilnehmern beschreiben: Sie befinden sich in getrennten Räumen. Die Rollen und Räume werden während des Entwicklungsprozesses gewechselt. Zu Beginn ist jeder Teilnehmer der Träumer und geht mit seinen Gedanken auf Ideenreise. Er schreibt seine Idee auf und lässt sie in dem Raum zurück. Dann wechselt er den Raum, wo natürlich schon eine andere Träumer-Idee auf ihn wartet. Nun ist er der Realist und bewertet die Idee seines Vorgängers. Im nächsten Raum wird er dann zum Kritiker.
Die Walt-Disney-Technik kann natürlich von größeren Gruppen angewendet werden – oder von nur einer Person. Ihr werdet sehen, es macht Spaß, zwischen den Rollen zu wechseln.
In der letzten Phase werden die drei Perspektiven dargestellt und noch einmal diskutiert.


Die Inspirations-Technik

Zu fast allen Bereichen unseres Lebens gibt es Bücher, Zeitungen und Magazine. Große und kleine Experten haben ihre Erkenntnisse und Ansichten zu diesen Themen veröffentlicht. Ihre Zielgruppe und deren Bedürfnisse kennen sie sehr gut. Deshalb besuche ich in Ideenfindungsphasen Buchhandlungen und Bibliotheken und blättere mich durch diese Expertenwelten. Meistens lösen die Artikel und Bilder bei mir einen Wirbel an eigenen Ideen aus. Man sollte etwas zum Schreiben mitnehmen und sich gleich Notizen machen.
Natürlich geht es nur um die Assoziationen und nicht um die Übernahme bereits bestehender Ideen. Wir wollen ja keine Copy-and-paste-Kultur, sondern eigene Ideen. Mit dieser Methode werdet ihr bestimmt viele gute Einfälle haben.

So – das waren alle Techniken, die ich für euch ausgesucht habe. Sie leben natürlich davon, dass sie angewendet werden. Ich hoffe, es war für jeden etwas dabei.

Damit endet auch die Artikelserie »Woher kommen die Ideen?«. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht.

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir von euren Erfahrungen berichtet. Schickt mir gerne eine Mail oder schreibt einen Kommentar. Ich antworte bestimmt. Versprochen.

Bis bald.

Ich wünsch euch schöne Fragen – und viele gute Antworten.

Der Frager

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Der Frager

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Manfred Zimmer – Dipl. Inf., Texter/Konzeptioner ist Der Frager. Ob in der U-Bahn, beim Einkauf, beim Lesen der Zeitung oder online, im Leben des Fragers ploppen an jeder Ecke unzählige Fragen auf. Fragen, die gestellt werden wollen.

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