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En passant gefragt: Autor Karl Wolfgang Epple

Der Hamburger Karl Wolfgang Epple ist 25 und schreibt an seinem Debütroman »Ich hab nur Hurensohn verstanden«.
Beobachtet man seine Bewegungen im Netz, gewinnt man den Eindruck, dass es sein Zuhause ist.  Karl ist eine Art Netznomade.
Ein neuer Autorentyp mit Vorbildern wie Bret Easton Ellis,  Irvine Welsh und Anthony Burgess. Ich habe ihn bei Twitter kennengelernt.

Der Frager: Du schreibst gerade an deinem Roman »Ich hab nur Hurensohn verstanden«. Um was geht es da?

Karl W. Epple: Mein Debütroman begleitet einen namenlosen Helden in den 24 Stunden seines Lebens, in denen der 22-Jährige endlich erwachsen wird. Unfreiwillig reist er ins Frankfurter Umland und begegnet dort zum ersten Mal Gewalt und Drogen. Der Ich-Erzähler liefert uns laufend falsche Informationen über seine Identität und das Geschehen. So gibt er vor, erfolgreich Jura zu studieren und verschleiert den wahren Grund seiner Reise. Auch die Beziehung zu seiner Freundin Sophie und der Verbleib ihrer Schwester Ana sind rästelhaft.
Das Setting ist modern. Ich vermeide zwar peinliche Pseudo-Jugendwörter à la Schenkelpelle und Facebook-Schlampe, aber trotzdem: »Ich hab nur Hurensohn verstanden« ist eine Geschichte aus der Zeit der Smartphones.

Der Frager: Der Titel ist auffällig. Klingt etwas nach Charles Bukowski, wenn der Vergleich erlaubt ist. Wie bist du zu diesem Titel gekommen?

Karl W. Epple: Die besten Claims schreibt das Leben: In einem Wortgefecht zwischen meinen Freunden und einer Rotte anderer Sauf- und Raufbolde habe ich das typisch hamburgische Wort »Digga« fallen lassen. Die anderen haben dummerweise »Nigga« verstanden. Dann dachte wiederum einer von uns, die anderen hätten einen farbigen Freund von uns als Nigga beschimpft. Die Luft roch sowieso schon nach Krawall, also musste nur noch ein legitimer Grund für eine saftige Schlägerei her. Da ruft der eine von denen auf einmal: »Ich hab nur Hurensohn verstanden!« und schwingt die Fäuste.
Was den guten Hank angeht: Ich habe mal gehört, dass er der meistgeklaute Schreiberling in amerikanischen Buchhandlungen sei. Der deutsche Bukowski zu werden, wär mir eine Ehre.

Der Frager: Du arbeitest seit 2010 an dem Roman. Wie weit bist du mittlerweile? Gibt es Kontakte mit Verlagen? Bist du diszipliniert? Was inspiriert dich?

Karl W. Epple: Das Buch ist mit etwa 250 Seiten bereits fertig. Da aber keiner den Sarg versiegelt hat, kürze ich oft. Oder ich ersetze abgedroschene Wörter durch schönere. Die Sprache zu pflegen ist die Pflicht des Autors. Die Wochenendgeschichten meiner Freunde sind sehr inspirierend. Ich könnte mir auch eine Fortsetzung vorstellen. Disziplin ist mir fremd. Zwei große Verlage wollen mich. Aber keiner ist bereit, Kohle für Werbung rauszurücken. Und wir wissen alle, dass man nicht anders ins Thalia-Schaufenster kommt. Keine Werbung – kein Wälzer.

Der Frager: In welcher Tradition siehst du dich im Schreiben? Hast du Vorbilder?

Karl W. Epple: Deutschland braucht einen neuen Helden. Die jungen Autoren schreiben nur Schund und verstecken sich hinter den alten. Inhaltlich überzeugen mich viele – sprachlich ist die deutsche Literatur tot. Sogar Benjamin Lebert wirkt heute fahl auf mich. Deutsch ist meine Heimat. Ich will den guten jungen deutschen Schriftsteller wiederbeleben. Meine Vorbilder und eine große Hilfe für dieses Buch waren Bret Easton Ellis, Chuck Palahniuk, Irvine Welsh und der große Anthony Burgess.

Der Frager: Dein Jurastudium hast du hingeschmissen. War das eine klare Entscheidung? Was bewog dich, zur Texterschmiede (Texterakademie in Hamburg – Anm. Der Frager) zu gehen?

Karl W. Epple: Meine kreative Energie hatte in Jura zu wenig Platz. Auch, wenn die Rechtswissenschaft ein feines Sprachgefühl vermittelt – ich will Wortakrobat sein. Ich möchte ein Meister der Sprache werden. Und die Texterschmiede ist die richtige Wiege dafür.

Der Frager: Auf deiner Website steht, dass es Probleme gab mit Menschen, die sich in der Leseprobe (die gerade nicht mehr online ist) wiedererkannt haben? Magst du dazu was sagen?

Karl W. Epple: Ein Wegbegleiter aus meiner Jugend und eine meiner Figuren haben etwa so ähnliche Namen wie Gerd und Gerhard. Das hat zu einer Unterlassungserklärung geführt, aber ohne Gericht. Ich möchte, dass meine Leserschaft – die »Crowd« – die Figur neu benennt, wenn das Rechtliche geklärt ist.

Der Frager: Karl – wo siehst du dich in 5 oder 10 Jahren? Du darfst rumspinnen. Auch was wünschen, wenn du willst. Es wird in Erfüllung gehen. Bestimmt. Alles gilt.

Karl W. Epple: Ich habe mit zwei Freunden eine Wette laufen, dass derjenige einen ausgeben muss, der mit 30 nicht Millionär ist. Jetzt bin ich 25. In fünf Jahren kriege ich einen ausgegeben und in zehn bin ich pleite, aber ein ehemaliges junges Schriftstellertalent.

 

Karl, vielen Dank für dieses Interview und viel Erfolg mit dem Debütroman. 


http://www.karl-wolfgang-epple.de/

 

 

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